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Pestizid-Kontamination? Selbst schuld!

Neue Verhandlungsrunde zur Revision der EU-Ökoverordnung
Bio-Verbände und Bio-Erzeuger machen Druck auf Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt, damit Bio-Erzeuger nicht für die unverschuldete Kontamination ihrer Produkte mit Pestiziden verantwortlich gemacht werden.
Bio-Weizen

Am heutigen Mittwoch, den 30.11.2016 treffen im sogenannten Trilog EU-Kommission, EU-Parlament und Ministerrat zusammen, um bis Jahresende die seit drei Jahren laufenden Verhandlungen über ein neues Bio-Recht zum Abschluss zu bringen.  Die Bereitschaft zur Einigung ist bei allen Beteiligten gewachsen.


Zur heutigen Gesprächsrunde melden sich nicht nur die großen Bio-Verbände mit Statements zu Wort. Auf Initiative des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) wenden sich zudem 190 deutsche Bio-Unternehmen in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und den Berichterstatter des Europäischen Parlaments Martin Häusling.


Im Kern geht es um die Verantwortung, die Bio-Produzenten für die Verunreinigung ihrer Produkte durch Pestizide übernehmen sollen, die sie selbst gar nicht verwenden. In dem Brief an Schmidt und Häusling heißt es:


„Auch wir würden uns Schadstofffreiheit wünschen - aber aufgrund der allgemeinen Umweltbelastungen geht das nicht! Ausbaden müssten es die Bio-Bauern, die für die Kontaminationen büßen müssen, die sie gar nicht verantworten oder kontrollieren können. Hersteller und Händler wären mit einem Rohwarenmangel konfrontiert, einige Rohwaren könnten ganz ausbleiben. Die ökologische Landwirtschaft würde massiv geschwächt. Und das, obwohl sie einen sehr wichtigen Beitrag  zum Erreichen hoher politischer Ziele und wichtiger gesellschaftlicher Aufgaben hat, wie den  Schutz von Boden, Wasser und Luft, Klimaschutz, CO2-Bindung und mehr. Die Bio-Unternehmen fordern in Ihrem Brief deshalb einen Verzicht auf spezifische Pestizidgrenzwerte für Bio-Lebensmittel.“


Auch vom Bioland-Verband heißt es, dass es ohne die Streichung dieses Punktes keine Revision der EU-Ökoverordnung geben dürfe. Der Vorschlag stelle das Verursacherprinzip auf den Kopf und gefährde die Ko-Existenz von Bio- und konventioneller Landwirtschaft. Jan Plagge, Präsident von Bioland weiter: „Die gesamte Bio-Branche unternimmt enorme Anstrengungen, damit Bio-Produkte während des Anbaus, des Transports und der Verarbeitung nicht von außen verunreinigt werden. Deshalb enthalten Bio-Lebensmittel keine oder nur minimale Verunreinigungen. Trotz aller Sorgfalt lassen sich Kontaminationen jedoch nicht in jedem Fall vermeiden. Durch Abdrift von konventionellen Nachbarfeldern aber auch über Wind und Regen können Spuren von Pestiziden auf Bio-Ware gelangen. Muss der Bio-Bauer dafür einstehen, ist seine Existenz in Gefahr.“


Pestizide können zum Teil Kilometer weit transportiert werden. Deshalb kann bei der Verunreinigung durch Pflanzenschutzmittel oft kein Verursacher ermittelt werden. Bislang werden Bio-Produkte nicht ausreichend von europäischer und deutscher Rechtsprechung und Zulassungspraxis vor dem Eintrag von Pestiziden geschützt. Die aktuellen Pläne scheinen diese Praxis zu verfestigen, anstatt Abhilfe zu schaffen.


Auch Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des deutschen Bio-Dachverbandes, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) meldet sich zum heutigen Verhandlungstermin zu Wort:
„Bio-Produzenten dürfen nicht für Pestizide und andere Schadstoffe büßen müssen, die sie freiwillig gar nicht benutzen. Leider schlägt die EU-Ratspräsidentschaft genau eine solche Regel für das neue Bio-Recht vor. Und das, obwohl klar ist, dass das Bio schwächt und es auch nicht zu mehr Verbraucherschutz beiträgt.“ Er erwarte, dass sich Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt in Brüssel weiter energisch für die Bio-Bauern, -Verarbeiter und -Händler einsetze und dass das EU-Parlament standhaft bleibe und nicht zulassen, dass das neue Bio-Recht auf den letzten Metern ein Bio-Verhinderungsgesetz werde.

 

Autor: 
BIO-MV
Politik
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